Doris Nußbaumer

Schriftstellerin - Kulturarbeiterin - Schreibpädagogin


Leseproben: Lyrik Dialekt

S oatige Mädi

S oatige (1) Mädi
Geht durchn Frühlingswoid
Es ist net finsta
Und ia is goa net koid

S Kappü (2) schoppts (3) in Kårib (4)
Soboids ma s nimma siacht
A kummalråtes (5) Kappü –
De Mamsch is net gaunz liacht (6)

An Wei håts mit fia d Eabtant (7)
Und an Bunkü (8) voi Arsen
Des mit dera Leibrent (9)
Wiad da Oidn boid vagehn

….

(1) artig, brav
(2) Käppchen
(3) stopfen
(4) Korb
(5) Kommunistenrot. Kummerl abwertend oder verniedlichend für Kommunisten.
(6) Nicht sonderlich klug, nicht ganz bei Verstand. In anderem Kontext auch nicht ganz nüchtern.
(7) Erbtante, eine wohlhabende ältere Frau aus der Verwandtschaft oder dem Bekanntenkreis, von der man zu erben erwartet und um deren Wohlwollen man sich entsprechend bemüht.
(8) Kuchen
(9) Leibrente: der Kaufpreis für eine Liegenschaft wird nicht sofort als Gesamtsumme, sondern in Form einer monatlichen Rente ausbezahlt. Je länger der Verkäufer lebt, umso mehr kostet das Objekt im Endeffekt.

© Doris Nußbaumer, alle Rechte vorbehalten
Weiterlesen in „Verstreut Veröffentlich“ Proverbis Verlag


lercherl

du sågst es wår nix
schau di do au
wiast dåsitzt
d fiass iwakreiz (1)
waüst koan plåtz nimma (2) håst
in käfig

fiass! richtige fiass
und hend zun greifn!
dass i des nu dalebn muass!
wiaso håst uns des autaun?
mia haum do oiwaü (3)
ois fia di tau!

ois håst ghåbt
kerndl und a wåssa
de stangerl von käfig
san aus goid
und in scheißdreck
hau i da a jedn tåg
wegputzt
dir is eh vü z guat gaunga.

jedn tåg in da fruah
waun d sunn üwan kasberg (4)
gstiegn is
håst so liab gsunga
mia is s herz aufgaunga
und i hau ma denkt
so froh wia mei lercherl
mecht i a sei

schiach (5) bist
mit ana nåsn
und finga stott fligal (6)
und an maiü (7)
waunst zun redn a nu aufaungst
måg i di goanimma

då sitzt und schaust bled
weiü di de stangerl
von käfig in d öbogn (8) schneidn
und in d knia
do siagst as
do host as
i tua di net aussa
håst da ois söm eibrockt
warst s lercherl bliebm


(1) Die Beine gekreuzt, z. B. in Hockstellung, im „Türkensitz“. Im oberösterreichischen Dialekt gibt es nur das Wort Fiass für Füße und Beine, das ähnlich klingende Wort Boana bedeutet Knochen.


(2) nicht mehr


(3) immer


(4) Ein markanter Berg in Grünau im Almtal, OÖ.


(5) hässlich


(6) Flügerl


(7) Maul, despektierlich für Mund


(8) Ellenbogen


© Doris Nußbaumer, alle Rechte vorbehalten