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Donnerstag 01. Januar 1970, 

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„Gern wär ich dein Delphin“
Der mittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein hat eine bewegte Rezeptionsgeschichte hinter sich, immer wieder für Jahrzehnte vergessen, wurde seine Lyrik mehrmals wiederentdeckt, um erneut aus dem literarischen Bewusstsein zu verschwinden. Mit „Und wenn ich nun noch länger schwieg‘“ legt Gerhard Ruiss die umfangreichste derzeit erhältliche Ausgabe vor. Die Textauswahl bildet dabei Oswald von Wolkensteins breit gefächertes Themenspektrum ab. Der weitgereiste Dichter schildert Reiseerlebnisse, durchwegs nicht nur positive, er besingt in Heimatliedern Land und Leute, schwungvolle Tanz- und Trinklieder bejubeln geselliges Besammensein, während sich Gebete und Altersklagen besinnend nach innen wenden. Breiten Raum nehmen alle möglichen Facetten des Liebes(er)lebens ein: vom ersten Werben über amouröse Spiele, Beziehungskrisen, Abschied und Trennung.
„Mich macht das viele Sehnen krank, zu einem Stein, der nicht mehr schwankt, zu nichts mehr zu bewegen.“
Oswald von Wolkensteins erfrischend konkreter Zugang zu klassischen Minnethemen paart sich aufs Erfreulichste mit Gerhard Ruiss‘ behutsamer und trotzdem moderner Nachdichtung.
„Sich drücken, schmiegen, Leib an Leib, ach Weib, vertreib das Leid, nicht mich von dir, ich bleib.“
Ein Leckerbissen für besonders interessierte LeserInnen findet sich im Anhang: der vollständige Abdruck der Originaltexte ermöglicht, Vorlage und Neugestaltung zu vergleichen.

Gerhard Ruiss/Oswald von Wolkenstein: Und wenn ich nun noch länger schwieg‘. Lieder, Nachdichtungen. Folio Verlag, Wien Bozen, 2007. ISBN 978-3-85256-359-6; ital. ISBN 978-88-86857-81-9.

Rezensentin: Doris Nußbaumer
Morgenschtean, österreichische Dialektzeitschrift